Universität für psychoanalytisches Denken und interdisziplinäre Forschung
Die IPU Berlin ist eine staatlich anerkannte private Universität, die 2009 gegründet wurde und psychoanalytisches Denken in Forschung, Lehre und Praxis weiterentwickelt. Sie versteht sich als Ort für interdisziplinäre Wissenschaft, an dem psychische, soziale und kulturelle Dynamiken zusammengedacht werden. Im Zentrum steht der Mensch in seinen Beziehungen – zu sich selbst, zu anderen und zu den gesellschaftlichen Strukturen, die ihn prägen.
Als weltweit einzige psychoanalytische Universität verbindet die IPU psychologische, sozialwissenschaftliche und kulturtheoretische Perspektiven. Sie fördert eine forschende Haltung, die Theorie und Praxis eng miteinander verknüpft, und pflegt internationale Kooperationen mit Partnern in Europa, dem Nahen Osten und Nordamerika.
Professur für psychoanalytische Sozialpsychologie und Sozialpsychiatrie
Die Professur steht in der Tradition einer reflexiven Sozialpsychologie, wie sie u. a. von Heiner Keupp geprägt wurde. Sie fragt, wie Gesellschaft ins Subjekt kommt: wie soziale Normen, Machtverhältnisse und historische Erfahrungen in individuelle Psychen eingeschrieben werden, und wie daraus Formen des sozialen Leidens, der Anpassung oder der Emanzipation entstehen.
Im Mittelpunkt stehen Prozesse der Subjektivierung: wie Menschen in sozialen Zusammenhängen handlungsfähig werden, wie sie Konflikte, Zugehörigkeiten und Widersprüche erleben, und wie aus diesen Erfahrungen gesellschaftliche Veränderung hervorgeht.
Diese Perspektive verbindet sozialpsychologische, psychoanalytische und kulturwissenschaftliche Ansätze und richtet sich auf die affektiven, symbolischen und institutionellen Bedingungen von Subjektivität.
Thematische Schwerpunkte liegen in der Gewalt- und Konfliktforschung, der Männlichkeits- und Jugendforschung, der Gesundheits- und Präventionsforschung sowie in der Erforschung sozialer Traumata.
Forschungsprojekte verbinden empirische, psychoanalytische und kulturwissenschaftliche Zugänge – häufig mit internationaler und transkultureller Ausrichtung.
Die Arbeitsgruppe an der IPU arbeitet mit einem stark reflexiven, qualitativen Methodenverständnis, das psychoanalytische und ethnographische Ansätze mit innovativen Verfahren wie Collaborative Storytelling oder Tiefenhermeneutik verbindet.
Zentral ist die Überzeugung, dass Forschung selbst ein Beziehungsraum ist.
Aktuelle Projekte befassen sich u. a. mit
- der politischen Sozialisation junger Menschen in ländlichen Regionen (YouReACT),
- sozialen Traumata und Prozessen kollektiver Wiederherstellung,
- Männlichkeits- und Militärforschung,
- sowie der Weiterentwicklung qualitativer Methodologie zwischen Psychoanalyse, Sozialpsychologie und Politikwissenschaft.
Die Professur versteht Forschung als Beitrag zu einer aufgeklärten und demokratischen Praxis des Verstehens jenseits disziplinärer und paradigmatischer Grenzen.